Warum du dich über fallende Kurse freuen solltest

Wenn du länger am Aktienmarkt investierst, wirst du früher oder später die schmerzhafte Erfahrung machen, dass die Kurse mal richtig fallen. Es gibt einen wichtigen Grund, warum das so ist und warum es für dein Investment sogar gut ist. Dabei beschränke ich micht nicht auf die Platitüde, dass du ja dann günstig nachkaufen kannst. Das tröstet dich nur, wenn du noch am Beginn deiner Investorenlaufbahn bist, aber nicht wenn schon richtig viel investiert hast oder mit deinen Investments deinen Lebensunterhalt verbesserst oder bestreitest.
Du investierst am Aktienmarkt, weil du eine Rendite machen möchtest. Du möchtest also, dass deine Investition mehr Wert wird - entweder durch Ausschüttungen oder Kursgewinne. (Mit Investitionen am Aktienmarkt meine ich immer breitgestreute Investments, z.B. durch ETFs oder Index-Fonds.)
Hast du dir schon einmal die Frage gestellt, warum das überhaupt funktionieren sollte? Woher kommt diese Rendite, von der du erwartest, dass sie höher ist als bei einer einfachen Anlage auf einem Bankkonto?
Die erwartete Rendite hängt vom Risiko ab. Je höher die erwartete Rendite, desto höher ist auch das Risiko.
Die erste Stufe wären sichere Anlagen: Zum Beispiel Bankkonten/Tagesgeld/Festgeld bei einer Bank (unterhalb der Einlagensicherung). Hier gibt es keine Wertschwankungen und du wirst dein Geld auf jeden Fall zurückbekommen. Allerdings bekommst du Zinsen, die meistens nicht höher sind als die Inflation. Diese musst du noch versteuern. Also verlierst du im Schnitt an Kaufkraft. Du hast eine sichere Investition, aber verlierst langfristig.
Die nächste Stufe wären Anleihen an Unternehmen. Wenn du in Anleihen investierst (am besten auch gestreut über Fonds/ETFs), bekommst du als Inhaber eine vertraglich festgelegte Auszahlung. Der Anleihenwert schwankt zwar, weil sich die Marktkonditionen am Zinsmarkt ändern und auch die Kreditwürdigkeit der Unternehmen nicht stabil ist. Aber insbesondere für kurzlaufende Anleihen und Unternehmen mit gutem Rating sind die Schwankungen nicht mit dem Aktienmarkt vergleichbar. Du hast ein etwas höheres Risiko als in der ersten Stufe und bekommst auch etwas mehr Zinsen, aber du kannst in der Regel nicht davon profitieren, wenn es bei den Unternehmen richtig gut läuft. Die Upside ist also gering.
Eine Investition in den Aktienmarkt unterliegt einem noch höheren Risiko. Ein Aktionär ist Miteigentümer des Unternehmens und trägt einen Teil des unternehmerischen Risikos. Dafür wird er direkt am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Die Upside ist unbegrenzt. Eine einzelne Aktie und auch ganze Märkte können unbegrenzt im Wert steigen.
Wenn es einen Kursrückgang oder einen Crash gibt, dann ist dies einfach eine Bestätigung oder Erinnerung, die deutlich zeigt, dass es sich tatsächlich um eine risikoreiche Geldanlage handelt.
Wenn es niemals einen Crash gäbe und die Aktienkurse sich über viele Jahrzehnte ohne starke Schwankungen immer nur nach oben bewegen würden, dann würde es sich um eine nahezu sichere Geldanlage handeln.
Dann gäbe es aber auch nur die Rendite der sicheren Geldanlage.
Daher ist es gut, dass es starke Kursschwankungen gibt, denn diese sind notwendig, damit du eine hohe Rendite bekommst.
Also freue dich, wenn die Kurse abstürzen, denn das ist ein Zeichen, dass du weiterhin mit eine hohe Rendite am Aktienmarkt erwarten kannst.
Denk dran. In Börsenkrisen gilt der Spruch: